7 und im Ninjago-Himmel

Lieber Anton,

heute war Dein großer Tag auf den Du die letzten Wochen hingefiebert hast. Immer wieder hast Du Deinen Wunschzettel aufgeschrieben und als irgendwann ein riesen Paket bei uns zuhause ankam, warst Du Dir sicher, dass Dein Wunsch, ein Ninjago Flugsegler Dir erfüllt wird. Seitdem konntest Du es kaum erwarten, endlich 7 zu werden.

Gestern Abend fiel Dir ein, dass Du heute noch Hausaufgaben machen musst und so bist Du heute morgen um 5:45 Uhr wach geworden, hast erst einmal Dich angezogen und dann Deinen Hausaufgaben gemacht. Um 6:00 Uhr hast Du uns dann geweckt und gefragt, ob wir jetzt aufstehen könnten. Wir haben noch ein Weilchen gekuschelt und sind dann aufgestanden. Dein Bruder wurde auch wach und drückte Dich ganz lieb zum Geburtstag. ninja Als Du unten ankamst, glänzten Deine Augen beim Anblick von 2 Paketen und Deinem Geburtstagskuchen. Ich erklärte Dir, dass das große Paket von allen zusammen sei, also Oma und Opa, Onkel und Tante mit Kindern und uns. Das Kleinere war von Deinem Bruder. Und obwohl Du wusstest, dass Dein großer Wunsch auch in dem großen Paket ist, hast Du entschieden, es nicht auszupacken, sondern drauf zu warten, bis alle zum Brunch da sind.

Also packtest Du das kleine Paket aus und auch dort war ein Ninjago-Set drin, über das Du Dich riesig gefreut hast, weil dort ein Ninja drin ist, der im großen Set nicht enthalten ist. Du hast die Zeit, bis der Besuch kam damit verbracht, das Set aufzubauen und mit Deinem Bruder damit zu spielen.

Gegen 10 Uhr kam Deine eine Oma, die Dir auch noch ein Ninjago-Set schenkte und Du warst überglücklich. Nun konntest Du Dir damit noch die Wartezeit auf die restliche Familie vertreiben, die wegen einem Autounfall sich verspätete.

Der Tag war also geprägt von Lego bauen. Vier Jungs, die in einem Haufen Steinen friedlich bauten und spielten. Deine Oma überraschte Dich mit einem Geburtstagsständchen auf der Blockflöte, weil Du ihr auch immer so schön auf dem Klavier vorspielst.

Gerade liegst Du noch nicht friedlich in Deinem Bettchen, sondern bist mit Papa in Alsdorf auf einem Bela B. Hörspiel. Ich bin gespannt, was Du erzählen wirst und hoffe, Du hattest ein tollen Geburtstag.

Du hast in Deinem 7. Lebensjahr so viel gelernt, bist so ein großer Junge geworden. Du liest unglaublich gerne und viel. Dein Büchereiausweis war notwendig und wird fleissig genutzt. Am liebsten liesst Du im Moment „??? Kids“ und Donald Duck Comics. Aber auch Harry Potter hast Du schon gelesen. Du gehst jeden Morgen mit Deinem Klassenkameraden zur Schule und kommst alleine wieder heim. Manchmal fragst Du mich, ob ich Dich abholen komme, da der Weg ca. 25 Min. dauert und Du keine Lust hast. Aber das ist in Ordnung. Die anfängliche Euphorie des „alleine gehen Dürfens“ ist verblasst. Ich liebe es, wenn Du Klavier spielst. Du übst meist gerne und ohne Erinnerung. Zum Schach gehst Du gerne auch wenn Du nicht oft gewinnst. Vermutlich würde ich aber gegen Dich verlieren, wenn wir gegeneinander spielen würden. Wenn Du im Moment etwas malst, dann sind es Ninjas. Dein ganzes Taschengeld gibst Du für Lego-Hefte aus. Manchmal auch für Trading-Cards. Im Moment bekommst Du 1 Euro Taschengeld pro Woche. Mittlerweile isst Du fast alles, am liebst magst Du gebratene Nudeln mit Hähnchen (thailändisch), Käsespätzle oder Nudeln mit Spinat und Lachs.

Du bist ein toller großer Bruder, der gerne teilt, immer hilfsbereit ist und gut auf den kleinen Bruder aufpasst. Du bist sehr selbstständig geworden und löst Dich immer mehr von uns. Du gehst alleine einkaufen und bleibst auch schon mal alleine zuhause, wenn ich Deinen Bruder vom Kindergarten abhole. Ich kann Dir vertrauen und mich auf Dich verlassen.

Bleib wie Du bist. Wir lieben Dich!

Deine Mama

Freie Zeit in der Freizeit

Der letzte Post von mir (Michael) auf unserem Familienblog liegt nun schon eine ganze Weile zurück und es hat verschiedene Gründe.

Wir hatten ein sehr stressiges, erstes Schuljahr. Unser älterer Sohn wurde aus guten Gründen frühzeitig eingeschult und hat das ganze Jahr fachlich sehr gut gemeistert. Vieles andere lief aus vielen Gründen chaotisch bis schlecht ab. Ohne jemandem eine Schuld zuweisen zu wollen: In einer mehr und mehr individuellen Gesellschaft ist es 2016 immer noch schwierig oder schwieriger denn je, auf individuelle Bedürfnisse eines jungen Menschen Rücksicht zu nehmen und ihn als eigene Person wahrzunehmen anstatt ihn in der einen oder anderen Weise zu pathologisieren.

Mit Beginn des zweiten Schuljahres hat sich viel geändert und bereits nach 2 Monaten ist mir eine große Last, die mich das vergangene Jahr gequält hat, von den Schultern gefallen. Nicht, dass meine Sorgen ganz verschwunden sind, aber es geht erheblich besser.

Der Gedanke, diese Gedanken regelmässig öffentlich aufzuschreiben ist mir tatsächlich nie gekommen. Zum Glück sind wir nicht darauf angewiesen, unser Familienblog und damit auch das Familienleben zu monetarisieren, aber es erschreckt mich sehr, in welchem Maße das mittlerweile durchgeführt wird. Ich gönne jeder Familie den Gewinn, möchte aber selber den Preis dafür nicht bezahlen.

Leistungsgesellschaft gibt es auch in den Ferien.

Einige Male hat meine Frau ja auch schon von schönen Urlauben hier berichtet. Gerade sind in NRW die Herbstferien vorbei, wir alle hatten eine Woche Urlaub und wir haben… „Nichts“ gemacht. Ganz bewusst die Woche ins blaue gestartet. Wir hatten ein paar Ideen, was wir machen wollten, aber keine wirkliche Planung.

Schlussendlich haben wir es dann geschafft, einen Tag mit dem Zug nach Köln zu fahren, den Dom zu besichten und das „Maus Musseum“ zu besuchen und an einem anderen Tag endlich einmal unsere Phantasialand Gutscheine einzulösen.

Darüber hinaus waren wir Spazieren, haben Kekse gebacken, gelesen, gegammelt… Nichts gemacht. Entschleunigt.

Während wir oft von Bekannten oder Freunden hören, dass ihre Kinder eine durchgehende „Bespaßung“ auch in den Ferien einfordern, erleben wir, dass unsere Kinder sehr positiv auf „Langeweile“ reagieren. Sie beschäftigen sich auf vielfältige Weise, mit Spielzeug, Medien und sich selber.

Ich bin froh, dass wir diesen Herbst unsere freie Zeit zu Hause verbracht haben. Es reicht mir vollkommen, wenn sich beide Eltern teilweise verausgaben. Sei es, weil es die Terminplanung mit Arbeit, Schule und Kindergarten nicht anders hergibt oder weil man es selber nie anders gelernt hat.

Für mehr freie Zeit in der Freizeit.

Elternauszeit

Diese Woche haben wir uns etwas gegönnt, was wir gemeinsam nur sehr selten tun. Wir haben uns Zeit für uns als Paar gegönnt.

Schon vor einiger Zeit fragte mich Michi, ob wir nicht gemeinsam auf die Abschiedstour von Black Sabbath gehen sollten. Das Konzert in Berlin war an einem Mittwoch und so zögerte ich ein wenig, denn wie sollen wir das bewerkstelligen, jetzt, wo wir ein Schulkind haben? Ich fragte meine Mutter, ob sie sich zutrauen würde 3 Tage bei uns einzuziehen und dies auch für uns machen würde. Sie wohnt halt nicht um die Ecke und ist auch noch berufstätig, sodass unsere Auszeit auch noch davon abhing, ob sie Urlaub bekommen würde. Aber alles klappte und so kauften wir die Karten und buchten uns ein Zimmer im 25hours Hotel, welches uns netterweise einen Rabatt gab.

Ich war aufgeregt. Dass meine Mutter über Nacht bei uns Zuhause babysittet, war bisher noch nicht der Fall. Aber die Kinder freuten sich wie Bolle auf die Zeit mit Oma. Letztes Wochenende wurde der Mini dann auch noch krank, sodass ich Montag noch zur Ärztin fuhr, nur um sicher zu gehen, dass wir auch wirklich fahren können. Der vermutete „Hüftschnupfen“ (er hinkte) verursachte zwar zwecks Schonung mind. 2 Tage Kita-Verbot aber so kam er auch mal in den Genuss eines Oma-Tags.

Wir fuhren also Dienstag mit der Bahn nach Berlin. Die Fahrt war angenehm ruhig und ich holte erstmal ein wenig fehlenden Schlaf nach. Viel Zeit für uns zum (Aus-)reden und ausruhen.

14653152015896433635In Berlin angekommen war das Wetter traumhaft, wir fuhren zunächst ins Hotel und waren schwer begeistert. Unser Zimmer hatte eine Wahnsinns-Aussicht über den Zoo/Tiergarten und Berlin. Wir legten uns erstmal in die vor dem Fenster angebrachte Hängematte und genossen die Aussicht. Der Versuch, für den Abend im Hotel-Restaurant Neni einen Tisch zu bekommen, scheiterte weil uns 21:30h zum Essen nach der Bahnfahrt dann doch was zu spät war. Also gingen wir los und fanden in einem kleinen Hof einen netten Italiener, bei dem wir den Abend verbrachten. Zum Abschluss des Tages wollten wir dann noch in der Bar ganz oben im Hotel einen Cocktail trinken. Die Schlange vor der Eingangstüre unten irritierte ein wenig, aber Hotelgäste kommen per Aufzug immer ins oberste Geschoss und somit in die Bar, auch wenn unten niemand mehr reingelassen wird. Die Bar war gemütlich eingerichtet und Michael besorgte 2 Cocktails. Diese waren jedoch so stark, dass zumindest ich ihn nicht trinken konnte. Schade.

Den nächsten Tag begannen wir mit einem super Frühstück mit ganz viel leckeren Sachen. Es gab Milchreis – er war so lecker –  und ich musste an die Jungs denken.

Anschließend liehen wir uns die im Zimmer inklusive Fahrräder aus und radelten durch die Stadt. Es war sehr warm und diese Variante des Sightseeings schien uns angenehmer als S- und U-Bahn. Im Vergleich zu Aachen muss ich sagen, dass die Berliner Autofahrer doch wesentlich mehr Rücksicht auf Radfahrer (zumindest auf die, die direkt als Tourist erkennbar sind) nehmen. Naja, und es gibt auch mehr Radwege. 😉

Wir gingen dann noch was in Ruhe shoppen (ohne wirklich was zu kaufen) und aßen ein/zwei Currywürste.

14654507382552703655Zurück im Hotel ruhten wir uns noch was aus und fuhren dann mit der S-Bahn zur Waldbühne. Dort war es wie erwartet schon ziemlich voll, aber die Stimmung war gut und wir reihten uns in die Schlangen ein. Nach der Sicherheitskontrolle suchten wir uns einen netten Platz auf den Rängen, denn im Innenraum seh ich eh meist nix, wenn da Leute vor mir stehen. Die Vorband war nicht ganz mein Geschmack und kurz nach 8 kam dann endlich Black Sabbath auf die Bühne. Der Sound war super, nicht zu laut, nicht zu leise. Ozzy war gut gelaunt, sang aber bei vielen Liedern gerade in den tiefen Lagen ziemlich schief. Jeder um uns herum merkte es, aber es störte kaum jemanden im Gesamterlebnis. Typisch Ozzy animierte er das Publikum zwischendurch immer ein wenig mit „I can’t fucking hear you“ und bedankte sich für Applaus brav mit „God bless u all“. Und so vergingen 1.5 Stunden wie im Flug mit allen Hits und dann wars vorbei. Es war noch hell und ich hatte das Gefühl, Ozzy kann einfach nicht mehr und es war wirklich die letzte Tour. „The End“.

Wie die Ölsardinen fuhr das Publikum wieder Richtung Berlin und ich war sehr erstaunt, wie friedlich und reibungslos das bei solchen Menschenmassen funktionieren kann. Trotz Schienenersatzverkehr. Da können die Berliner noch so sehr über den Verkehrsbetrieb jammern, ich bin jedes mal erstaunt wie schnell man dort von einem Ort zum Anderen gelangen kann.

Am nächsten Morgen frühstückten wir nochmal ausgiebig im Neni und fuhren dann gemütlich mit der Bahn nach Hause.

Die Elternauszeit hat sehr gut getan, wir hatten viel Zeit zum Reden und Entspannen. Was auch wunderschön ist, ist die Freude, mit der man Zuhause wieder begrüßt wird. Auch das tut gut und kommt im Alltag doch eher weniger vor. Die Kinder waren glücklich über 3 Tage Oma, mit all den Vorzügen, die eine Oma so bieten kann. Und wir waren glücklich über gute Gespräche, glückliche Kinder und ein tolles Konzert einer 48 Jahre alten Band, die so einige Generationen miteinander verbindet.

Danke Mama, dass Du uns die Tage ermöglicht hast. :-*

3! Wow!

Mein lieber Oskar,

heute bist Du drei geworden und hattest einen wundervollen Tag. Du hast lange geschlafen und bist fröhlich aufgewacht. Du hast mich mit den Worten: „Mama, die Sonne ist schon aufgegangen!“ begrüßt und als ich Dir freudig zum Geburtstag gratulierte, strahltest Du über beide Ohren, nahmst mich in den Arm und drücktest mich ganz feste.

„Hast Du mir einen Minions-Kuchen gebacken?“ Aber natürlich habe ich Dir Deinen Wunsch erfüllt und Dir einen Kuchen gebacken. Auch wenn dieser recht klein war damit wir ihn beim Frühstück naschen konnten.

Wir gingen dann gemeinsam ins Wohnzimmer, wo schon Dein Großer Bruder und Papa auf Dich warteten. Die beiden sind nämlich keine Langschläfer.

DSC06098Du hast Dich gefreut, über all die Deko, die Geschenke auf dem Tisch und dem Kuchen auf Deinem Platz. Das Geschenk Deines Bruder hast Du zuerst ausgepackt. Er hat Dir viele kleine Sachen, die Du so sehr von ihm magst, eingepackt. Diese Geste fand ich einfach zauberhaft. Im Päckchen war ein Lego-Auto mit Männchen, ein Mini-Transformer, Glitzer-StarWarsKarten, Fussball-Karten, ein Dino, eine Müllmannfigur und ein Flummi. Du hast Dich riesig gefreut. Dann hast Du Deine Duplo-Eisenbahn ausgepackt und kamst aus dem Strahlen nicht mehr heraus.

„Willst Du die Eisenbahn erst aufbauen oder erst frühstücken?“ „Erst Frühstücken!“ Das spiegelt Dich sehr schön wieder. Du bist geduldig und weisst, was Dir gut tut.

Du bist so sehr gewachsen im letzten Jahr. Du hast schon lange keinen Schnuller mehr. Ohne Trara und Schnullerbaum. Nach Ostern wolltest Du auch keine Windeln mehr. Das Trocken sein klappt so erstaunlich gut, dass ich meist ohne Wechselsachen unterwegs bin. Du redest wie ein Wasserfall, versuchst Dich an komplizieren Wörtern und achtest sehr auf Deine Aussprache. Seit ein paar Wochen übst Du fleissig Radfahren. Du willst das unbedingt können und fragst immer wieder danach.

Du weisst genau, was Du willst und was nicht. Wir mussten lernen, was eine Trotzphase bedeutet, denn diese hat Dein Bruder nicht so intensiv durchgemacht. Du wirfst Dich auch schon mal auf den Boden, wenn Dir etwas nicht passt, lernst aber auch sehr schnell, dass das auch nicht zum Ziel führt. Du hilfst mir viel im Haushalt, willst immer mit mir Backen, denn dann darfst Du vom Teig naschen, und auch oft mit mir Kochen. Du räumst Dein Geschirr in die Spülmaschine und bist auch sonst meist ordentlich. Du bringst uns immer noch durch Dein freundliches Wesen permanent zum Lachen und böse sein, kann man Dir nicht sehr lange.

Heute hast Du den Nachmittag mit Deinen Freunden verbracht und eine Minions-Party gefeiert. Du hattest viel Spass und den Rummel um Dich genossen.

Jetzt schläfst Du wie ein Steinchen. Wir lieben Dich, Du Großer!

Sie sind weg

Heute haben wir es getan. Wir haben sie weggegeben. Alles kleine Erinnerungen an die beiden Mini-Menschen, die in unser Leben traten. Eine große Kiste mit Erstlingsausstattung haben wir Andrea und Tobias vererbt, damit sie bei ihnen ein neues Zuhause findet und all die kleinen Mini-Teilchen wieder mit einem Menschlein ausgefüllt werden können. Und ich glaube, sie sind dort in guten Händen und hoffe sehr, dass ich sie das ein oder andere mal in Brand an mir vorbei spazieren und ein in den Klamotten meiner Jungs zufrieden schlummerndes Baby sehe.

Als ich diese vor ein paar Wochen im Keller sortierte, war ich doch schon ein wenig wehmütig. Denn bei jedem Teil sah ich ein kleines Männlein darin stecken. Ich roch an Mützchen und obwohl die Sachen alle gewaschen waren, bildete ich mir ein, dass sie nach meinen Babys rochen. Dieser tolle Duft, den man leider nicht abfüllen kann und den man immer wieder einsaugen muss, solange er noch da ist.

Ein paar Lieblingsstücke wanderten dann in eine Erinnerungskiste. Da ist z.B. der „Koma-Anzug“, ein Overall, in dem der Große sofort einschlief, sobald man ihn ihm anzog… Oder eines der wenigen Stücke, die ich vor der Geburt vom Großen kaufte, ein Schlafanzug mit Elefanten drauf… Die Jacke, die der Große von Oma aus dem Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff mitgebracht bekommen hat, und die er sooft anhatte… Oder die Jacke, die ich dem Kleinen zum ersten Geburtstag nähte… Die Schlafsäcke, die die Kinder zur Geburt vom Krankenhaus bekamen…
aber man kann ja nicht alles behalten, und es stört mich einfach, dass man so viele Sachen einfach aus den unterschiedlichsten Gründen hortet.

Was ist, wenn wir doch noch ein Kind bekämen? Wenn ich die Sachen jetzt weggebe? Was sollte das Kind dann anziehen? … Alles quatsch. Denn beim ersten Kind hatte ich auch keine Kiste mit Sachen.

Und was mir bleibt, sind Fotos von meinen Kindern. Von jedem Tag. d.h. all diese kleinen Teilchen sind irgendwann, irgendwo auf einem Bild. Ich kann sie mir immer wieder auf einem Foto mit meinem Kind drauf anschauen und brauche sie dafür nicht in einer Kiste. Und diese Fotos sind mir so viel mehr Wert, als all die kleinen Klamotten.

Heute haben wir auch unsere neuen Jahresfotos aufgehangen. Eine Übersicht aus DailyFratze über das ganze Jahr. Beide Jungs haben ihre Bilder auf Augenhöhe im Flur hängen und können so jederzeit sich ihr letztes Jahr anschauen. Dinge, die sie erlebt haben. Menschen, die sie getroffen haben. Ich liebe diese Momente in denen sie sich die Bilder angucken und sich erinnern. So schön zu sehen. Und manchmal wünschen sie sich dann, Dinge noch mal zu erleben, Menschen noch mal zu treffen. Der Große zählt, wie oft er ein Foto mit Oma gemacht hat. Und wie oft er seine Freunde auf den Bildern sieht. Eines der wirklich tollen DailyFratze-Features. Aber dazu vielleicht ein anderes mal mehr. 🙂

Erbstück

Der Rowenta Luxuswaffelautomat WA-04 ist schon seit Anfang der 1990er in „Familienbesitz“. Irgendwann kam meine Mutter damit an und es gab regelmässig am Wochenende Waffeln. Gerne mit Sahne und Erdbeeren aus der Region. Ich fand‘ es immer toll, meiner Mutter dabei zu helfen und verbinde schöne Erinnerungen damit.DSC05309 DSC05310Schon erstaunlich, dass die alten Geräte so lange halten. Ich glaube nicht, dass man heute noch ein Waffeleisen „Made in Germany“ kaufen kann und finde das sehr schade.

Das die Anleitung mit den Rezepten schon arg zerfleddert ist, habe ich meine drei Lieblingsrezepte hier einmal abgeschrieben: Waffelrezepte aus der Anleitung vom Rowenta Waffeleisen.

Besinnliche Weihnachten

Nach all der Hektik und dem Stress, die im Dezember anlagen, habe ich mich wirklich sehr auf Weihnachten gefreut. Da wir uns seit Jahren nun schon drauf geeinigt haben, dass wir an Weihnachten nur den Kindern etwas schenken, muss fürs Fest auch nicht viel vorbereitet werden.

Mitte Dezember zog der Weihnachtsbaum bei uns ein und wurde von den Kindern geschmückt. Ein erster Anflug von Besinnlichkeit. Denn einen ganzen Nachmittag schmückten sie mit viel Sorgfalt und Geduld den Baum. Ich musste lediglich das obere Drittel schmücken.
Sie bastelten sogar noch neuen Baumschmuck aus Playmais. 😉

Wir buken im Advent gemeinsam Plätzchen, aber auch hier nur so viele, wie die Kinder auch Lust hatten, zu helfen. Also buken wir mehrmals und Oskar war immer voller Freude, helfen zu können. Er drehte den Fleischwolf für das Spritzgebäck oder rollte Kugeln für die „Je länger, je lieber“, wie Engelsaugen bei uns in der Familie heissen. Die Absoluten Lieblingsplätzchen aller. Hübsch sind sie meist nicht, aber saulecker.

Heilig Abend fuhr der Mann morgens mit dem Rad zum Metzger in die Stadt, um das vorbestellte Fleisch abzuholen. Wir feierten nun schon das 3. Jahr gemeinsam mit meiner Schwiegermutter bei uns zuhause. Ich bereitete in der Zwischenzeit die restlichen Kleinigkeiten für das Fondue vor. Meine Schwiegermutter kam mit dem Zug gegen 15 Uhr bei uns an, sodass wir schon im Nachmittag mit dem Essen begannen, denn Fondue dauert ja bekanntlich immer ein wenig länger.
Die Kinder hatten ihren Spass und waren auch ruhig, da das Christkind ja erst kommt, wenn es erstens: draussen dunkel und zweitens: ruhig in einem Haus ist. 😉

Nach dem Essen so ca. gegen 17:00h setzen wir uns alle zusammen auf die Couch und Anton spielte Weihnachtslieder auf dem Klavier. Wir sangen zusammen Lieder, alles worauf die Kinder Lust hatten und dann verschwanden Mann und Kinder in ein Kinderzimmer, um dort auf das Christkind zu waren. Meine Schwiegermutter und ich „räumten die Küche auf“ und wurden vorher noch eindringlich darauf hingewiesen, auch ja in der Küche zu bleiben, damit das Christkind sich auch ins Wohnzimmer traut.

Ich legte die Geschenke unter den Baum und klingelte mit der „Christkind-Glocke“, die wir nur für diesen Anlass von meiner Schwiegermutter bekamen.

Derweil versteckte sich der Kleine unter dem Bett, da sie von unten ja Geräusche hörten und der Große wurde immer nervöser.

Beim ertönen der Glocke stürmten sie nach unten und öffneten vorsichtig die Wohnzimmertür. Die Freude war groß, denn das Christkind hatte alle Wünsche erfüllt.

Auch dieses Jahr konnten wir den Großteil der Verwandtschaft davon überzeugen, dass es nur 1 bzw. 2 gemeinsame Geschenke an Heiligabend gibt, auch wenn die schenkenden evtl. nicht anwesend sind. Denn wir haben auch dieses Jahr einen Wunschzettel an das Christkind geschrieben, auf den maximal 2 Sachen dürfen. So stehen dort auch wirklich Sachen drauf, die sie gerne hätten und nicht irgendwas, was grade im Katalog am Größten war. Und solange die Kinder an das Christkind glauben (wollen), ist das mit den Geschenken eh seltsam, wenn man an mehreren Tagen feiert.

144960856460021602082 Der Große wünschte sich ein Skateboard und einen Transformer.  Ausserdem noch Frieden auf der Welt, aber dieser Wunsch ist dann wohl doch was zu Groß für das Christkind gewesen. Er bekam ein Komplettboard von Santa-Cruz und einen Mini-Transformer von Hasbro. Die Freude war riesig. Uns wurde empfohlen, kein Spielzeug-board zu besorgen, da diese den Fahrspaß relativ schnell verderben.

Der Kleine wünschte sich ein Rennauto. Wenn er vom Christkind und seinem Geschenkwunsch sprach, dann sprach er auch oft von einer Carrera-bahn, aber dafür ist er mit seinem 2 Jahren nun wirklich noch zu klein. Also bekam er ein Duplo-Rennauto, bei dem man Reifenwechsel spielen kann und Kapla-Steine. Diese entdeckten wir dieses Jahr im Urlaub und fanden sie toll. Es sind Bausteine im Fomat 15x3x1 mit denen man durch die Form nochmal anderes baut, als mit normalen Bauklötzen. Wir haben uns für 200 Steine in Natur und 100 bunte Steine entschieden.

Weil dem Mann der Kaffee aus seinem Adventskalender so gut geschmeckt hatte, habe ich ihm noch ein Abo von Sonntagmorgen.de besorgt und für mich hatte das Christkind morgens wohl auch noch spontan auf dem Weg zum Metzger Ohrringe gesehen. Das war schön.

Nach der Bescherung schauten Frauen und Kinder „Rio“ während der Mann wirklich die Küche aufräumte. Die Kinder gingen glücklich und vollkommen freiwillig im Anschluss ins Bett.

Den 1. Weihnachtstag verbrachten wir hauptsächlich mit Spielen. Die Jungs bauten stundenlang mit den Kapla-Steinen Türme, Häuser und Rennstrecken für das Rennauto. Gemeinsam buken wir noch einmal ein paar Plätzchen und genossen den gemeinsamen Tag.

Am 2. Weihnachtstag schliefen wir relativ lange (also bis 8… das ist echt lang!) und trafen uns dann zum Brunch mit der restlichen Familie. Auch dies wurde in den letzten Jahren zur Tradition und ist sehr schön, da ohne viel Aufwand alle beisammen sein können.
Wie Großeltern nunmal so sind, wollte meine Mutter es sich nicht nehmen lassen, den Jungs auch an dem Tag noch etwas zu schenken, aber Kinder können sich auch über ein paar „coole“ Unterhosen vom Christkind noch freuen. Der Große jammert nämlich seit Schulbeginn über die „Babyunterhosen“ ohne Beinansatz.
Ich brachte meiner Mutter als Dankeschön für den Tag „Fadi kocht syrisch“ mit, da ich mir sicher bin, dass sie daraus auf jeden Fall kochen wird und ich das Projekt auch gerne mit 2 Büchern (eines für uns) unterstütze.
Es war sehr gemütlich. Sogar so gemütlich, dass mein Mann gar nicht nach Hause wollte. Was selten vorkommt. Wir fuhren aber dann doch nach dem Mittag und gingen mit den Kindern noch eine Runde auf den Spielplatz um das Skateboard auszuprobieren und die Sonne zu geniessen.

Und so gingen die Weihnachtstage mit viel Ruhe und schönem Beisammensein irgendwie viel zu schnell rum.

Ich mag unser Weihnachtsfest sehr. Der Gedanke daran stresst mich nicht und die Weihnachtstage sind wirklich besinnlich. Ich hoffe, dass meinen Kindern dadurch ein bisschen der Zauber von Weihnachten erhalten bleibt und nicht durch den Konsum verdrängt wird.

20 Jahre. Erinnerungen und Wünsche

In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember verstarb 1995 mein Vater im Alter von 55 Jahren. 20 Jahre ist das jetzt her.

Am Lago Laprello. An das Bild kann ich mich gar nicht mehr erinnern, finde aber die Geborgenheit, die es ausstrahlt, wunderbar.

Am Lago Laprello. An das Bild kann ich mich gar nicht mehr erinnern, finde aber die Geborgenheit, die es ausstrahlt, wunderbar.

Das letzte Mal gesehen habe ich ihn am Abend des 14. Die Schmerzmittel waren wohl gerade so  dosiert, dass er normal und klar denken konnte und er nicht allzu viele Schmerzen hatte. Ich weiß noch, dass er sich von mir im Klinikum Aachen verabschiedet hat. Ich weiß noch, welches blöde Trash Buch ich mit hatte (John Saul – Am Strand des Todes), aber ich weiß nicht mehr, was Papa mir sagte. Ich weiß nur noch, dass es mir vollkommen bewusst war, dass ich ihn das letzte Mal gesehen und gedrückt hatte.

Damals war ich 16. Mir ging es selber nicht gut. Zu dem Zeitpunkt hatte ich, so genau weiß ich das nicht mehr, mindestens 2 Jahre Magersucht und Bulimie hinter mir. Mein persönlicher Rekord waren knapp über 50kg bei mehr als 1,80m Größe. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon lange chronisch krank, er verstarb an den Folgen eines Muskelschwunds.

Heute, 20 Jahre später, bin ich selber Vater und vermisse meinen Vater mehr, als ich es lange nach seinem Tod getan habe. Ich bin mir sicher, dass ich ein gutes Verhältnis zu ihm hatte:

Früher wie heute… Es war nicht alles anders. Das Kind bin ich… Ich sehe allerdings wen anders.

Früher wie heute… Es war nicht alles anders. Das Kind bin ich… Ich sehe allerdings wen anders.

Mein eigenes Leben wurde lange durch seine Krankheit, die langen Krankenhausaufenthalte, die ewigen Fahrten von Heinsberg nach Aachen überschattet.

Wer war mein Vater? Er war ein Mensch der Arbeiterklasse, nach Grundschule quasi direkt weiter auf die Arbeit. Dabei war er hochintelligent, aber die Gesellschaft war weniger durchlässig als heute. Er arbeitete sein Leben lang bei Glanzstoff, ENKA, Akzo.

Fast sein ganzes, erwachsenes Leben hat er Nachtschicht gearbeitet. Nicht Wechselschicht, Nachtschicht. Daran kann ich mich gut erinnern: „Du musst still spielen, Papa schläft.“

Zwangsweise eine ganz andere Art Vaterschaft, als das, was ich versuche, meinen Kindern zu bieten.

Früher habe ich es nicht verstanden, wenn Papa darauf bestand, in meinem Zimmer Radio zu hören (ich hatte eine moderne Musikanlage, meine Eltern ein Dingen, das zwar groß war, aber nur miserablen Radioempfang), heute denke ich, dass es seine Art war, Nähe zu suchen.

Ich kann mich an wunderbare Radtouren an einigen Wochenende oder schichtfreien Tagen erinnern.

An den Moment des Bildes, an den Ort und die Tour erinnere ich mich noch sehr gut. Bin heute noch gerne da.

An den Moment des Bildes, an den Ort und die Tour erinnere ich mich noch sehr gut. Bin heute noch gerne da.

Fahrrad gefahren ist Papa gerne, solange es noch ging:Bei Schloss Elsum

An derselben Stelle machte ich vor ein paar Monaten ein Foto. Und das letzte Fahrrad, das er besessen hat, restaurierte ich in diesem Sommer.

Ich erinnere mich an die Kopfrechenaufgaben, die er und ich so liebten… Morgens, an der jeweils umgekehrten Grenze zwischen Tag und Nacht im Bett zu lösen.

An seinen Stolz auf sich, wenn er mal eine Kleinigkeit zu essen, meistens Ei mit Toast, gemacht hatte. An seinen Stolz auf mich, als meine Noten beständig sehr gut waren.

Ich erinnere mich an den blauen Dunst, der ihn ständig umgab, zu Hause, auf dem Fahrrad und natürlich im Auto.

Als er einmal vollkommen ausgerastet ist, als meine Mutter und ich uns dagegen im Auto verwehrt hatten.

Ausgerastet ist er nur selten, dann aber richtig. Schlagen, bzw. Ohrfeigen, wollte er mich nur einmal. Da war ich allerdings schon deutlich älter… Mindestens 13 oder 14. Den Anlass weiß ich nicht mehr, es endete in Tränen, auf beiden Seiten. Ich hielt seinen Arm fest, sehr fest und meine Hand hinterließ 5 blutige Fingerabdrücke. Papas Haut war von den Unmengen Kortison dünn wie Papier.

Ich vermisse meinen Vater. Er hat versucht, mir mit seinen Mittel die Welt zu zeigen. Die Welt, die man in Büchern erleben kann und die kleine Welt, die wir uns in der Freizeit und im Urlaub erfahren und erwandern konnten.

Ich glaube, das war in Posterholt, dort gab es Autorennen, die ich ganz spannend fand.

Ich glaube, das war in Posterholt, dort gab es Autorennen, die ich ganz spannend fand.

Papa hat an mich geglaubt, als ich unbedingt aufs Gymnasium wollte. Er blieb gelassen, wenn andere sich aufregten. Er hat gelitten, als ich mich gequält habe. Er war immer da, auf seine Art.

Manchmal hatte ich Angst vor ihm. Seine Meinung, mein Ansehen bei ihm war mir immer wichtig. Ich hatte Angst, zu enttäuschen.

Mein Vater war kein Vater, wie man ihn sich heute in einer Welt, die zum Glück nach Gleichberechtigung und paritätisch verteilten Elternrollen strebt, wünscht. Aber er war mein Vater. Vielleicht habe ich zu lange gebraucht, um zu verstehen, was er mir mitgegeben hat, aber mittlerweile habe ich es gefunden. Er war da, auch wenn ich es oft nicht sehen wollte:Wurzeln und Flügel

Papa hat zugehört und hingeschaut:Zuhören und hinschauen

Heute bin ich mir sicher, dass ich ihn nicht enttäuscht habe und Angst unbegründet war. Er wäre so stolz auf seine wunderbaren Enkel. Ich bin mit meinem Vater im Reinen, aber ich würde alles darum geben, dass er meine Söhne kennenlernen dürfte.

Ich bin glücklich, dass meine Frau und ich in einer Welt leben, in der wir beide für unsere Kinder dasein können und ich bin froh, dazu sein. Ich bin stolz, eine Familie zu haben. Ich bin glücklich über die zwei kleinen Nervensägen. Wenn ich ihnen etwas von mir mitgeben kann, dann das sichere Gefühl, dass beide Eltern für sie da sind.

Dieses Bild ist laut handschriftlichem Datum von 1985:

Einer der ersten längeren Krankenhausaufenthalte meines Vaters.

Einer der ersten längeren Krankenhausaufenthalte meines Vaters.

Ich bin auf diesem Bild 6 Jahre alt. Das Bild entstand beim ersten, längerem Klinikaufenthalt von Papa. Unsere Zeit ist zu kostbar, darüber zu lamentieren, das Kinder manchmal anstrengend sind. Ich wünsche mir, dass ich die Gelegenheit und die Zeit haben werde, Vorbild und Hilfe für meine Kinder zu sein, solange sie beides brauchen und nicht, solange ich kann.

Endlich 6!

Mein großes Kind,

Du hast lange drauf gewartet und am Freitag bist Du endlich 6 geworden. Als Du noch jünger warst, hattest Du große Pläne für „wenn ich 6 bin“. Du wolltest Pilze essen. Und Zwiebeln. Und Paprika. Wenn wir scherzten, dass es zu Deinem 6. Geburtstag Zwiebelkuchen gibt, fandest Du das gar nicht lustig. Seitdem Du in die Schule gingst, hast Du nicht mehr jedem erzählt, wie alt Du bist. In der Schule bist Du der Jüngste und Du hast gemerkt, dass es Kinder gibt, die das als Anlass zum Ärgern nehmen.
Aber jetzt bist Du 6, so wie die andern auch. Das ist Dir wichtig. Wir haben zu Deinem Geburtstag Muffins für in die Schule gebacken und diese mit Marshmallows als Storm- und Clonetroopern verziert. Du warst sehr aufgeregt, als ich Dich morgens in die Schule brachte.
Wir haben das ganze Wochenende gefeiert und Du konntest mit Deinen Freunden zusammen eine StarWars-Party feiern.
Das letzte Jahr bist Du so sehr gewachsen. Du hast viel gelernt, wirst selbstständiger, suchst aber trotzdem unsere Nähe. Immer wenn ich Dich in den Arm nehme, wundere ich mich, wie schnell die Zeit verfliegt, wie ein Kind so schnell groß werden kann. Jeden Abend frage ich mich, wie lange Du noch ein Lied vorgesungen bekommen magst und wann der Tag kommt, an dem Du einfach alleine ins Bett gehen magst, ohne dass ich Dich zudecken soll. Lass uns versuchen, die Zeit nicht allzu schnell verfliegen zu lassen.

Ich bin unendlich stolz auf Dich!

Kindergedanken

„Du, von einem Mädchen in meiner Klasse sind 2 Cousinen gestorben.“ sagt der 3.Klässler, der morgens zusammen mit dem Großen und anderen Kindern zur Schule geht. Ich schaue ihn verdutzt an. Denn haarsträubende Geschichten erzählen sich die Kinder morgens schonmal des öfteren. Eines hat eine riesige Phantasie, die sich manchmal stark mit der Wirklichkeit vermischt. Aber dieser Junge hat mir bisher noch keinen Quatsch erzählt. „Ertrunken, oder so“. Ergänzt er seine Aussage. „Ich glaube, das waren Flüchtlinge.“ Ich bestätige, dass Boote untergegangen sind und dass dabei auch Menschen ertrunken sind. Er erzählt weiter: „Gestern habe ich im Fernsehen gesehen, dass die auch mit dem Zug flüchten. Und dann gibt es Länder, da kommen die nicht mehr weiter. Ich weiss gar nicht warum. Und dann gibt es Menschen, die wollen, dass die wieder zurück gehen.“ Ein Erstklässler aus der Gruppe mischt sich ins Gespräch: „Da ist Krieg, da sollen die, die das wollen mal selber hingehen und gucken.“ Die Kinder unterhalten sich weiter, ich mische mich nicht ein. Sie philosophieren darüber warum Krieg nicht nur in der Luft geführt wird, dann bräuchten die Menschen auf dem Boden keine Angst haben und flüchten.

Ein Kind beteiligt sich nicht am Gespräch, sondern läuft etwas versetzt hinterher. Plötzlich sagt es: „Ich habe jetzt 65 Kaugummis auf dem Boden gezählt. Weiter kann ich noch nicht.

Warum machen Menschen das?“

Und ich habe an diesem Morgen keine Antworten auf die Fragen der Kinder, bin jedoch zutiefst beeindruckt, wie sehr sie versuchen, die Welt und die Menschen zu verstehen.