Nur für Dich, Omi!

Liebe Omi,

heute ist Dein Geburtstag und ich vermisse Dich. So wie ich die letzten 15 Jahre an so vielen Tagen an Dich denke und Dich vermisse.

Ich denke an Dich, wenn der Himmel sich rosa färbt und die Engelchen backen.
Ich denke an Dich, wenn ich den Kindern das Fähnlein vorsinge.
Ich denke an Dich, wenn Anton auf der Arbeitsplatte sitzt und mit mir Teig rührt.
Ich denke an Dich, wenn ich Ostern ein Lämmchen oder Weihnachten „Je länger je lieber“ backe.
Ich denke an Dich, wenn ich mir einen Fingerhut aufsetze.
Ich denke so oft an Dich, dass ich gar nicht alles aufzählen kann.

Ich hab Dich vermisst, als ich von zuhause ausgezogen bin.
Ich hab Dich vermisst, als ich geheiratet habe.
Ich hab Dich vermisst, als Anton geboren wurde.
Ich hab Dich vermisst, als er seinen ersten Geburtstag feierte. Und auch bei jedem weiteren.
Ich hab Dich vermisst, als Oskar geboren wurde.
Ich werde Dich nächste Woche auf seinem ersten Geburtstag vermissen und an noch so vielen Tagen mehr.

Ich habe in Deinem Poesie Album geblättert, das ich hier bei mir habe und auf das ich gut aufpasse. Den Spruch Deiner Mutter – in Sütterlin geschrieben – habe ich entziffert:

Poesiealbum2Noch lächelt freundlich dir das Leben,
Noch kennst du nur das reine Glück,
doch wird’s auch trübe Tage geben,
denn wandelbar ist das Geschick.

Drum lerne früh an den dich halten,
der unserer aller Vater ist,
vertraue auf sein göttlich Walten,
selbst, wenn du nicht ganz glücklich bist.

Dies schrieb dir zur Erinnerung deine dich nie vergessene Mutter

Im Kriegsjahr 1943 im Mai.

Ich werde Dich auch nicht vergessen, Omi. Deine Enkeltochter Christina

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