Author Archives: Michael

Freie Zeit in der Freizeit

Der letzte Post von mir (Michael) auf unserem Familienblog liegt nun schon eine ganze Weile zurück und es hat verschiedene Gründe.

Wir hatten ein sehr stressiges, erstes Schuljahr. Unser älterer Sohn wurde aus guten Gründen frühzeitig eingeschult und hat das ganze Jahr fachlich sehr gut gemeistert. Vieles andere lief aus vielen Gründen chaotisch bis schlecht ab. Ohne jemandem eine Schuld zuweisen zu wollen: In einer mehr und mehr individuellen Gesellschaft ist es 2016 immer noch schwierig oder schwieriger denn je, auf individuelle Bedürfnisse eines jungen Menschen Rücksicht zu nehmen und ihn als eigene Person wahrzunehmen anstatt ihn in der einen oder anderen Weise zu pathologisieren.

Mit Beginn des zweiten Schuljahres hat sich viel geändert und bereits nach 2 Monaten ist mir eine große Last, die mich das vergangene Jahr gequält hat, von den Schultern gefallen. Nicht, dass meine Sorgen ganz verschwunden sind, aber es geht erheblich besser.

Der Gedanke, diese Gedanken regelmässig öffentlich aufzuschreiben ist mir tatsächlich nie gekommen. Zum Glück sind wir nicht darauf angewiesen, unser Familienblog und damit auch das Familienleben zu monetarisieren, aber es erschreckt mich sehr, in welchem Maße das mittlerweile durchgeführt wird. Ich gönne jeder Familie den Gewinn, möchte aber selber den Preis dafür nicht bezahlen.

Leistungsgesellschaft gibt es auch in den Ferien.

Einige Male hat meine Frau ja auch schon von schönen Urlauben hier berichtet. Gerade sind in NRW die Herbstferien vorbei, wir alle hatten eine Woche Urlaub und wir haben… „Nichts“ gemacht. Ganz bewusst die Woche ins blaue gestartet. Wir hatten ein paar Ideen, was wir machen wollten, aber keine wirkliche Planung.

Schlussendlich haben wir es dann geschafft, einen Tag mit dem Zug nach Köln zu fahren, den Dom zu besichten und das „Maus Musseum“ zu besuchen und an einem anderen Tag endlich einmal unsere Phantasialand Gutscheine einzulösen.

Darüber hinaus waren wir Spazieren, haben Kekse gebacken, gelesen, gegammelt… Nichts gemacht. Entschleunigt.

Während wir oft von Bekannten oder Freunden hören, dass ihre Kinder eine durchgehende „Bespaßung“ auch in den Ferien einfordern, erleben wir, dass unsere Kinder sehr positiv auf „Langeweile“ reagieren. Sie beschäftigen sich auf vielfältige Weise, mit Spielzeug, Medien und sich selber.

Ich bin froh, dass wir diesen Herbst unsere freie Zeit zu Hause verbracht haben. Es reicht mir vollkommen, wenn sich beide Eltern teilweise verausgaben. Sei es, weil es die Terminplanung mit Arbeit, Schule und Kindergarten nicht anders hergibt oder weil man es selber nie anders gelernt hat.

Für mehr freie Zeit in der Freizeit.

Erbstück

Der Rowenta Luxuswaffelautomat WA-04 ist schon seit Anfang der 1990er in „Familienbesitz“. Irgendwann kam meine Mutter damit an und es gab regelmässig am Wochenende Waffeln. Gerne mit Sahne und Erdbeeren aus der Region. Ich fand‘ es immer toll, meiner Mutter dabei zu helfen und verbinde schöne Erinnerungen damit.DSC05309 DSC05310Schon erstaunlich, dass die alten Geräte so lange halten. Ich glaube nicht, dass man heute noch ein Waffeleisen „Made in Germany“ kaufen kann und finde das sehr schade.

Das die Anleitung mit den Rezepten schon arg zerfleddert ist, habe ich meine drei Lieblingsrezepte hier einmal abgeschrieben: Waffelrezepte aus der Anleitung vom Rowenta Waffeleisen.

20 Jahre. Erinnerungen und Wünsche

In der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember verstarb 1995 mein Vater im Alter von 55 Jahren. 20 Jahre ist das jetzt her.

Am Lago Laprello. An das Bild kann ich mich gar nicht mehr erinnern, finde aber die Geborgenheit, die es ausstrahlt, wunderbar.

Am Lago Laprello. An das Bild kann ich mich gar nicht mehr erinnern, finde aber die Geborgenheit, die es ausstrahlt, wunderbar.

Das letzte Mal gesehen habe ich ihn am Abend des 14. Die Schmerzmittel waren wohl gerade so  dosiert, dass er normal und klar denken konnte und er nicht allzu viele Schmerzen hatte. Ich weiß noch, dass er sich von mir im Klinikum Aachen verabschiedet hat. Ich weiß noch, welches blöde Trash Buch ich mit hatte (John Saul – Am Strand des Todes), aber ich weiß nicht mehr, was Papa mir sagte. Ich weiß nur noch, dass es mir vollkommen bewusst war, dass ich ihn das letzte Mal gesehen und gedrückt hatte.

Damals war ich 16. Mir ging es selber nicht gut. Zu dem Zeitpunkt hatte ich, so genau weiß ich das nicht mehr, mindestens 2 Jahre Magersucht und Bulimie hinter mir. Mein persönlicher Rekord waren knapp über 50kg bei mehr als 1,80m Größe. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon lange chronisch krank, er verstarb an den Folgen eines Muskelschwunds.

Heute, 20 Jahre später, bin ich selber Vater und vermisse meinen Vater mehr, als ich es lange nach seinem Tod getan habe. Ich bin mir sicher, dass ich ein gutes Verhältnis zu ihm hatte:

Früher wie heute… Es war nicht alles anders. Das Kind bin ich… Ich sehe allerdings wen anders.

Früher wie heute… Es war nicht alles anders. Das Kind bin ich… Ich sehe allerdings wen anders.

Mein eigenes Leben wurde lange durch seine Krankheit, die langen Krankenhausaufenthalte, die ewigen Fahrten von Heinsberg nach Aachen überschattet.

Wer war mein Vater? Er war ein Mensch der Arbeiterklasse, nach Grundschule quasi direkt weiter auf die Arbeit. Dabei war er hochintelligent, aber die Gesellschaft war weniger durchlässig als heute. Er arbeitete sein Leben lang bei Glanzstoff, ENKA, Akzo.

Fast sein ganzes, erwachsenes Leben hat er Nachtschicht gearbeitet. Nicht Wechselschicht, Nachtschicht. Daran kann ich mich gut erinnern: „Du musst still spielen, Papa schläft.“

Zwangsweise eine ganz andere Art Vaterschaft, als das, was ich versuche, meinen Kindern zu bieten.

Früher habe ich es nicht verstanden, wenn Papa darauf bestand, in meinem Zimmer Radio zu hören (ich hatte eine moderne Musikanlage, meine Eltern ein Dingen, das zwar groß war, aber nur miserablen Radioempfang), heute denke ich, dass es seine Art war, Nähe zu suchen.

Ich kann mich an wunderbare Radtouren an einigen Wochenende oder schichtfreien Tagen erinnern.

An den Moment des Bildes, an den Ort und die Tour erinnere ich mich noch sehr gut. Bin heute noch gerne da.

An den Moment des Bildes, an den Ort und die Tour erinnere ich mich noch sehr gut. Bin heute noch gerne da.

Fahrrad gefahren ist Papa gerne, solange es noch ging:Bei Schloss Elsum

An derselben Stelle machte ich vor ein paar Monaten ein Foto. Und das letzte Fahrrad, das er besessen hat, restaurierte ich in diesem Sommer.

Ich erinnere mich an die Kopfrechenaufgaben, die er und ich so liebten… Morgens, an der jeweils umgekehrten Grenze zwischen Tag und Nacht im Bett zu lösen.

An seinen Stolz auf sich, wenn er mal eine Kleinigkeit zu essen, meistens Ei mit Toast, gemacht hatte. An seinen Stolz auf mich, als meine Noten beständig sehr gut waren.

Ich erinnere mich an den blauen Dunst, der ihn ständig umgab, zu Hause, auf dem Fahrrad und natürlich im Auto.

Als er einmal vollkommen ausgerastet ist, als meine Mutter und ich uns dagegen im Auto verwehrt hatten.

Ausgerastet ist er nur selten, dann aber richtig. Schlagen, bzw. Ohrfeigen, wollte er mich nur einmal. Da war ich allerdings schon deutlich älter… Mindestens 13 oder 14. Den Anlass weiß ich nicht mehr, es endete in Tränen, auf beiden Seiten. Ich hielt seinen Arm fest, sehr fest und meine Hand hinterließ 5 blutige Fingerabdrücke. Papas Haut war von den Unmengen Kortison dünn wie Papier.

Ich vermisse meinen Vater. Er hat versucht, mir mit seinen Mittel die Welt zu zeigen. Die Welt, die man in Büchern erleben kann und die kleine Welt, die wir uns in der Freizeit und im Urlaub erfahren und erwandern konnten.

Ich glaube, das war in Posterholt, dort gab es Autorennen, die ich ganz spannend fand.

Ich glaube, das war in Posterholt, dort gab es Autorennen, die ich ganz spannend fand.

Papa hat an mich geglaubt, als ich unbedingt aufs Gymnasium wollte. Er blieb gelassen, wenn andere sich aufregten. Er hat gelitten, als ich mich gequält habe. Er war immer da, auf seine Art.

Manchmal hatte ich Angst vor ihm. Seine Meinung, mein Ansehen bei ihm war mir immer wichtig. Ich hatte Angst, zu enttäuschen.

Mein Vater war kein Vater, wie man ihn sich heute in einer Welt, die zum Glück nach Gleichberechtigung und paritätisch verteilten Elternrollen strebt, wünscht. Aber er war mein Vater. Vielleicht habe ich zu lange gebraucht, um zu verstehen, was er mir mitgegeben hat, aber mittlerweile habe ich es gefunden. Er war da, auch wenn ich es oft nicht sehen wollte:Wurzeln und Flügel

Papa hat zugehört und hingeschaut:Zuhören und hinschauen

Heute bin ich mir sicher, dass ich ihn nicht enttäuscht habe und Angst unbegründet war. Er wäre so stolz auf seine wunderbaren Enkel. Ich bin mit meinem Vater im Reinen, aber ich würde alles darum geben, dass er meine Söhne kennenlernen dürfte.

Ich bin glücklich, dass meine Frau und ich in einer Welt leben, in der wir beide für unsere Kinder dasein können und ich bin froh, dazu sein. Ich bin stolz, eine Familie zu haben. Ich bin glücklich über die zwei kleinen Nervensägen. Wenn ich ihnen etwas von mir mitgeben kann, dann das sichere Gefühl, dass beide Eltern für sie da sind.

Dieses Bild ist laut handschriftlichem Datum von 1985:

Einer der ersten längeren Krankenhausaufenthalte meines Vaters.

Einer der ersten längeren Krankenhausaufenthalte meines Vaters.

Ich bin auf diesem Bild 6 Jahre alt. Das Bild entstand beim ersten, längerem Klinikaufenthalt von Papa. Unsere Zeit ist zu kostbar, darüber zu lamentieren, das Kinder manchmal anstrengend sind. Ich wünsche mir, dass ich die Gelegenheit und die Zeit haben werde, Vorbild und Hilfe für meine Kinder zu sein, solange sie beides brauchen und nicht, solange ich kann.

Drei Tipps zum Fahrradfahren mit Kindern

Liebe Mit-Eltern,

ich verstehe, dass nicht alle Menschen und insbesondere nicht alle Eltern so Fahrradbegeistert wie ich und einige anderer Menschen aus meiner Filterbubble sind.

Wenn ihr mit eurem Nachwuchs unterwegs seit bedenkt, dass eure Kinder – auch wenn sie sicher fahren können – noch nicht sicher alle Veränderungen und mögliche Gefahren rechtzeitig wahrnehmen oder sich auch schnell ablenken lassen.

Ihr könnt mögliche Gefahren durch drei einfache TIpps reduzieren: Fahrt hinter eurem Kind, niemals vor. Zum einen ist es für das Kind schnell frustrierend, wenn Papa oder Mama vorfahren (genau wie für euch, wenn ihr mit einem sportlicherem Mitfahrer unterwegs seit!), zum anderen könnt ihr nur so sehen, was gerade vor sich geht. Eigentlich ganz einfach.

Zweitens: Falls möglich, fahrt links vom Kind. Damit reduziert sich das Risko, dass das Kind in den Gegenverkehr fährt, erheblich. Wenn ihr selber sicher auf dem Rad seit, könnt ihr im Notfall auch eingreifen.

Und drittens: Man kann natürlich nicht überall zu zweit nebeneinander fahren. Wenn ihr Platz machen müsst, dann bremst ihr und kommunziert bereits im Vorfeld mit eurem Kind, dass es dann bitte nicht auch bremst, wenn ihr z.B. ankündigt, dass ihr Platz machen müsst (Ja, das sollte man üben, die meisten Kinder und viele Erwachsene bremsen dann intuiv auch). Wenn ihr das so macht, ist es kraftsparender (der Außen fahrende muss nur bremsen, das Innen fahrende muss nicht plötzlich antreten) und das Manöver benötigt weniger Koordination (für euer Kind ist es sicherlich schwieriger einzuschätzen, wenn Gegenverkehr kommt und ihr euch fast gleichzeitig vor ihm einordnet).

Ich praktiziere das so mit meinem ältesten Sohn, seitdem er Fahrrad fährt und bis jetzt hat es dazu geführt, dass wir sicher zusammen unterwegs sind, selbst, wenn Radwege und Straßen voll sind.

Bonustipp: Wenn eure Kinder gerade anfangen, selber zu fahren, gibt es ein ganz einfaches Hilfsmittel, Kurven in beide Richtung zu üben. Eine große 8:2013-04-30_big

Fernsehen

Fernsehen, ein Thema, bei dem wohl etliche Eltern sagen: Wir gucken nicht viel Fernsehen. Oder besser noch gar kein Fernsehen. Und dann sieht man doch regelmäßig morgens und abends das blaue Licht der Flimmerkiste.

Christina und ich schauen beide gerne fern, haben aber unterschiedliche Vorlieben. Gemeinsam haben wir, dass wir sehr gerne ein bis zweimal im Jahr eine Serie in wenigen Wochen anschauen, „binge watching“. Vor den Kindern war das körperlich weniger anstrengend, könnte man doch ausschlafen, wenn es wieder mitten in der Nacht war, als man den Ausknopf fand. Nun gut.

Christina guckt ab und zu diese Dekoserien und Talentshows, ich gerne Dokus und mein Guiltypleasure, Frauentausch. Gemeinsam aber auch hier: Wir haben keine fixen Serientermine.

Früher hat man Serien auf diversen Medien getauscht, heute gibt es eine Vielzahl Onlinemedien, die mehr oder weniger Serien und Filme online frei Haus liefern, oft im O-Ton mit Untertiteln. Vorteil: Man wird nicht von Sendeterminen fremd bestimmt.

Ihr seht, wir mögen Fernsehen. Genauso wie Chips und Süßigkeiten. Von letzterem wollen wir unsere Kinder auch nicht fern halten, da wir denken, dass Verbotenes eine viel größere Verlockung hat.

Mit diesen Gedanken sieht es bei uns so aus, dass der 5-Jährige maximal einmal die Woche einen kompletten Film zwischen 90 und 100 Minuten schauen darf. In der Zeit ist mindestens einer von uns anwesend, alleine Fernsehen ist nicht.

Jetzt fällt unser Sohn dahin gehend aus der Reihe, dass er die Aufmerksamkeit über den Zeitraum aufrecht erhalten kann, er geht vollkommen in den gespielten Welten auf. Das muss nicht mit jedem Kind klappen, was uns neulich auch die Schulärztin bestätigte.

Bei der Auswahl und Quelle der Filme beschränken wir uns auf DVDs oder Onlineanbieter und bevorzugen ältere Werke. Ein Großteil dessen, was im Kinderprogramm der Privaten läuft, stößt uns in mehrfacher Hinsicht ab: Handwerklich oft schlecht gemacht, zu schnell geschnitten, inhaltlich fragwürdig. Klassiker wie „Die Maus“ oder auch die Kindernachrichten sind super.

Nogos sind: TV bei Besuch, Besuch beenden wegen TV, TV beim Essen.

Wir fahren damit sehr gut und freuen uns, dass beide Kinder auch abschalten können, während und nach dem Fernsehkonsum.

Was unsere Kinder lieben: Radio und Hörspiele. Gerade der Große liebt seit dem er ca. 2 ist Hörspiele jeder Art und kann sich ewig damit beschäftigen. Und das DAB Radio, mit dem wir den WDR 5 Kinderradiokanal (KiRaKa) empfangen können war jeden Cent wert.

Auch wenn wir manchmal denken, dass es „praktisch“ wäre, die Kinder öfter „vor dem Fernseher“ zu parken, verzichten wir zum Wohl der Kinder darauf.

Wie sieht es bei euch aus? Wie steuert ihr das oder haben eure Kinder sogar schon einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer?

Auswärts Essen in Aachen – Mit Kindern

Auswärts Essen gehen mit Kindern ist grundsätzlich erstmal kein Problem. Meistens wird es stressig, wenn man selber Stress hat. Der kann viele, unterschiedliche Gründe haben. Müde Eltern, müde Kinder oder auch ein Umfeld, in dem man sich als Familie nicht willkommen fühlt.

Ob es sich um ein schönes oder stressiges Umfeld oder halt in dem speziellen Fall Restaurant handelt, merkt man oft erst, wenn man drin sitzt und dann kann es zu spät sein.

Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Restaurantbesitzer im Vorweg sagen: „Keine Kinder“. Da kann ich mich drauf einlassen. Absolut unmöglich finde ich die nonverbale Ablehnung, die einem in vielen Etablissements entgegen schlägt. Die möchte ich hier gar nicht aufzählen.

In den letzten Jahren habe ich wiederholt sehr gute Erfahrungen im

gemacht. Das ist nicht unbedingt Haut Cuisine, aber durch die Bank lecker und genießbar. Wichtiger ist, dass mich mit samt meiner Familie immer willkommen fühle.

Willkommen fühlen heißt für mich: Freundliche Kellnerinnen und Kellner, die keine Störung in den Kindern sehen oder auch so freundliche Gesten wie Zusatzteller und Besteck ohne Rückfragen oder Lernstäbchen trotz brechend vollem Geschäft ohne Rückfrage. So einfache Sachen wie Platzdeckchen mit Ausmalbildern und ein paar Buntstiften helfen Wunder, es braucht ja meistens gar nicht viel, die Kinder die paar Minuten bis zum Essen zu beschäftigen.

Wo gehen denn die anderen Aachener Eltern gerne hin?

Kindermusik nicht nur für Kinder (2): Rotz ’n‘ Roll Radio

Meine Frau hatte vor ein paar Wochen die Idee, Blicke in unseren CD-Schrank zu veröffentlichen und mit den „Die Lieder 7“ angefangen. Ich möchte das heute mit einer CD von Kai Lüftner fortsetzen, dem Rotz ’n‘ Roll Radio:61KUP0IVT9L

@kailueftner ist studierter Sozialpädagoge und hat eine beeindruckende Biographie als Streetworker, Kabarettist und Alleinunterhalter, Sozialarbeiter, Pizza-Fahrer, Türsteher vorzuweisen.

Mit „Rotz ’n‘ Roll Radio“ veröffentlichte der Berliner zu Beginn des Jahres sein erstes Kinder-Musikalbum. In seiner Diskographie finden sich bis dato auch einige Hörspiele. Ich stolperte zusammen mit dem großen Nachwuchs beim morgendlichen Hören des großartigen „KiRaKa“ über den Song „NEE!“, der einen alten Bekannten aus meiner Jugend, Bürger Lars Dietrich mit an den Frühstückstisch brachte:

Zum Glück zeigt unser DAB Radio Interpret und Titel an und eine kurze Suche brachte obiges Video zu Tage. Prächtig haben wir uns amüsiert.

Ich musste damals etwas suchen, mittlerweile bekommt man die gesamte CD auch bei amazon.de.

Wie der Titel schon andeutet ist das Album im Stil einer Radio Show aufgezogen. Wir haben festgestellt, dass das nicht jedem Kind gefällt, aber für unseren Großen ist das genau das richtige. Er mag die Jingles und Ansagen und auch die thematische Vielfalt des ganzen.

Highlights des ganzen sind erwähntes „NEE!“ über die Unlust, nichts zu machen, aber auch nicht zu wissen, was man eigentlich will (das sollten sicherlich auch viele Erwachsene kennen), „Super-Junge“, ein Stück über verrückte Selbsteinschätzung, „Was alles so doof ist“ und natürlich die „Kotzekatze“ (mit Konrektors Stumpen, muss man sich mal wegtun):

Mir selber hat der Song „Müssen“ fast am Ende des Albums beim ersten Mal Hören fast ein Tränken ins Auge getrieben, weil man sich wirklich wieder erkennt.

Mir persönlich gefällt Kais Herangehensweise an das Thema „Musik für Kinder“ ausgesprochen gut. Anstatt bekannte Kinderlieder mehr oder weniger originell im hinlänglich bekannten Stil moderner Popmusik neu zu interpretieren wie es im Moment eine sehr erfolgreiche Reihe versucht, geht er einfach mit Spaß und offenem Blick an das Thema heran. So entsteht Musik, die man als Kind und auch als Erwachsener Ernst nehmen kann und die gleichzeitig auch Kinder ernst nimmt und dort abholt, wo sich Kinder im Alter von ca. 5 bis 10 befinden. Gerade wegen dieser Ernsthaftigkeit macht das Album großen Spaß, während oben erwähnte Reihe oft nur die fragwürdige Pädagogik alter Kinderlieder mit der Penetranz aktueller Popmusik zusammen bringt.

Respekt und vielen Dank dafür, Kai.

Entschleunigung

„Entschleunigung“ ist ein ein ziemlich ausgelutschtes Wort und wer mich kennt, weiß, dass ich in der Regel viel zu wenig Zeit habe, für all die Dinge, die mir täglich in den Kopf kommen. Nicht nur, dass ich ständig irgendwelche Ideen für Software habe, die ich unbedingt umsetzen muss, ich fahre auch noch gerne Fahrrad und insbesondere möchte ich Zeit mit meinen Jungens und meiner Frau verbringen.

Dazu kommen mindestens 40 Stunden Arbeit in der Woche, in der Regel mehr.

Mir kommt da in den letzten Wochen oftmals der Text eines neuen Liedes von Farin Urlaub, nämlich 3000 in den Sinn:

Ich hab nen neuen Anzug, neues Auto – und die alten Probleme
wie gut, daß ich Tabletten nehme
Überlebensstrategien für das dritte Jahrtausend

Farin Urlaub Racing Team – 3000

Wir möchten, dass unsere Kinder entsprechende Überlebensstrategien an die Hand bekommen und zwar nicht in Form von Tabletten.

Ich habe sicherlich 2, 3 Jahre gebraucht, zu verstehen, dass Förderung nicht gleich Forderung und Überförderung ist. Unser Großer geht seitdem er 1 Jahr alt ist in eine Kindertagesstätte bzw. seitdem er 2 ist, in einen regulären Kindergarten. Anfangs dachte ich noch, dass es wichtig ist, verschiedene Aktivitäten und Programme zusätzlich anzubieten, sei es alle möglichen Krabbelgruppen, Turnen, Schwimmen, Musik, was weiß ich.

Wir haben das relativ schnell sein gelassen und dabei festgestellt, dass es uns allen, insbesondere seitdem wir zu viert sind, besser geht. Wenn ich mir alleine für mich vorstelle, dass ich jeden Tag zusätzlich zur Arbeit noch Pflichttermine hätte, wird mir übel. Ohne Pause das Tempo hochhalten, jede Minute Input… So funktioniere ich nicht und ich glaube, dass Kinder so auch nicht funktionieren.

Der Große kann auch ohne Turngruppe wunderbar bis in die Wipfel von Bäumen klettern, er kann auch ohne mathematisch Frühförderung die Zahlen bis ca. 20 (und zwar auch addieren, sowas lernt man halt, wenn man ab und zu mal selber bezahlen darf) und viele andere Dinge mehr.

Ganz nebenbei fällt dann auch mehr Freizeit ab. Mehr Zeit, um einfach zu Hause zu sein und Zeugs oder auch mal nichts zu machen. Sich zu langweilen.

Damit finde ich zum Anfang zurück. Früher habe ich immer ganz gerne von mir gesagt, dass ich nicht wüsste, was Langeweile ist. Mittlerweile nehme ich das zurück. Die korrekte Aussage müsste lauten: Ich kann mich nicht langweilen, ich ertrage es nicht, einfach nur mal nichts zu machen. Dabei ist genau das extrem wichtig, für Erwachsen und gerade auch für Kinder.

Warum ich diesen Text zu Beginn der Weihnachtszeit schreibe? Weil Anfang Dezember für mich der schlimmste Monat im Jahr ist, insbesondere, seitdem die Kinder da sind. Die wöchentlichen oder gar täglichen Termine häufen sich, es fängt mit dem Geburtstag vom Großen an, geht nahtlos in Nikolaus, diverse Weihnachtsfeiern und Weihnachtsvorbereitung, Weihnachtsbesuchen etc. über. Seit 5 Jahren bekommen wir regelmäßig die Quittung dafür: Spätestens in der zweiten Dezemberwoche sind wir alle krank: Aufregung, Stress und wenig Zeit, einfach Familie sein zu können tun zusammen mit Wetterumschwung und der Dunkelzeit ihr Werk.

Aktueller Stand: Ich habe Ohr, die Frau Ohr und Nase, die Kinder beide Hals (Mittelohrentzündung, Schnupfen, Husten).

Ich freue mich jetzt schon darauf, spätestens mit dem 2. Weihnachtstag mit meiner Familie irgendwo zu Hause zu sitzen und einfach nichts zu machen:

Basteln mit Jungs (3)

Vor ein paar Tagen bestürmte mich der 4,5-Jährige, dass wir unbedingt einen Computer aus zwei Holzbrettern, die wir zufällig im Keller hatte, bauen müssten. Was?

Nun, Anton hatte den Beitrag „Spielzeug selbstgebaut: Ein Laptop für mein Kind“ von @fraumierau zusammen mit seiner Mutter angeschaut und war ganz begeistert. Ich kann den Artikel nicht, was auch der Grund für meinen sachlich falschen Tweet heute morgen war, ich dachte, die Idee mit dem Tafellack hätte ich zuerst gehabt.

Ich bin was handwerkliches tun angeht, eine Niete. 2 linke Hände mit je 5 Daumen. Aber gut. Mit falschem Werkzeug versuchte ich die vorhandenen Bretter auf gleiche Breite zu sägen und gab dem Sohn direkt ein Beispiel für so mässige Frustrationstoleranz, aber auch, das nicht immer alles auf Anhieb klappt. Die Frau besorgte darauf im Baumarkt zwei passende Kiefernbretter Fichtenbretter.

Für den Monitor bereitete ich zusammen mit Anton eine Schablone mit abgerundeten Ecken vor und konnte dabei direkt noch etwas über einen Zirkel erklären. Anders als in Susannes Original haben wir die Tastatur auch ausgearbeitet, danke Christina für die Fummelsarbeit:

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Statt einer Schnur zum Halten des Monitors verwendeten wir eine Messingkette… „Papa, meine Lieblingsfarbe, Gold!“.

Ansonsten haben wir Monitor und Tastatur genau wie Susanne mit Tesakrepp abgeklebt, auch das Streichen mit Rolle und Tafellack verlief offensichtlich analog. Da das Holz sehr stark saugte, haben wir insgesamt 3 Lagen jeweils nach einer Nacht trocknen aufgebracht:

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Beim Schrauben hat Anton ebenfalls mit geholfen:DSC00001Er konnte es kaum erwarten und ich finde, das Gesicht spricht Bände:DSC00007Wie ging es weiter? Er klemmte sich seinen Computer unter den Arm, ging Richtung Tür „Ich muss zur Arbeit…“, ich sah einen Spiegel meines frustrierten Gesichtes, wenn ich mal wieder während einer kniffeligen Aufgabe am Rechner fluche. Als wir die Kreide auspackten wurde als erstes „Angry Birds“ gemalt.

Nun hat so ein Kinderlaptop bei uns auch eine Vorgeschichte. Nachbarstochter hat seit einiger Zeit einen knallrosa „Hello Kitty“ Laptop mit einem LCD Display in Qualität der späten 1990er, den ich einfach gruselig finde. Offen gesprochen fand ich die schon zu meiner Kindheit schlimm, aber trotzdem, Anton wollte auch unbedingt so einen haben. Nun, nein. Lieber noch einige Jahren warten und er bekommt einen abgelegten, aber richtigen Computer und Erziehung in sozialer Medienkompetenz direkt mit.

Dieses selbstgebaute Spielzeug hingegen ist in unseren Augen in jeder Hinsicht altersgerecht und der Herstellungsprozess einfach genug, dass ich er mithelfen kann, Dinge macht, die sonst hier nicht gemacht werden und nachher einfach auch mal ohne äußere Vorgaben Mamas und Papas Arbeit nachspielen kann.

Nun warte ich darauf, dass der 1,5 Jährige auch einen Laptop möchte 🙂