Die Welt braucht Hebammen!

Neuer Blog. Mein erster Post. Seltsam, dass Mann und Frau so gleich ticken, aber als Michael gestern zu mir sagte, dass er ein Blog einrichten mag, hab ich nicht lange überlegt, worüber ich denn bloggen mag. Die letzten Tage schwirrt mir schon die Sache mit den Haftpflichtversicherungen der Hebammen im Kopf herum. Ab und an muss ich sogar ein Tränchen verdrücken, da mich der Gedanke, dass es bald keine freien Hebammen mehr geben wird doch sehr traurig macht. Traurig, für all die Frauen, die ihren Beruf mit solcher Leidenschaft ausüben und traurig für all meine Freundinnen und Bekannten, die sich Kinder wünschen und denen eine Geburt mit einer vertrauten Hebamme voraussichtlich dann verwährt bleibt.

Ich hab mich relativ früh bei meiner ersten Schwangerschaft um eine Beleghebamme bemüht. Für mich war das Konstrukt mit einer Hebamme, die ich kenne und mag in ein Krankenhaus zu gehen das, was mir die meiste Sicherheit gab. Mir war dabei vollkommen egal, in welches Krankenhaus es gehen sollte. Hauptsache die Hebamme ist sympathisch und im Notfall ist ein Arzt zur Stelle. In Aachen ist man ja noch relativ gut bedient, was die Beleghebammen angeht und so waren Susanne und Liesa schnell gefunden. Warum 2? Die beiden teilten sich die Belegstelle und auch den Rufdienst. Mit der Beleghebamme kauft man sich nämlich auch einen 24/7 Rufdienst ab ca. 4 Wochen vor dem errechneten Termin. Damals 2009 waren das 200 Euro.  Also 100 für jede. Nicht viel Geld – wie ich finde – für etwas, was das Privatleben einer Hebamme doch ziemlich einschränkt.

Auch in der 2. Schwangerschaft konnte ich mir nichts anderes vorstellen. Bei der Schwangerschaftsgymnastik wurde ich von der Kursleiterin (auch Hebamme) gefragt, ob ich die Beleghebamme wirklich brauche. Ich wüsste ja, was auf mich zukäme und ich sei doch stark genug, das alleine zu schaffen. Ich glaube nicht. Ich denke, dass die Sicherheit mich stark gemacht hast. Zu wissen, dass jemand für mich da ist, wenn ich nicht mehr ich selbst bin.

Mira wurde mir von Susanne empfohlen und war einfach klasse. Ich machte sehr schnell einen Termin mit ihr, um sie kennen zu lernen. Dafür nahm sie sich 1.5 Stunden Zeit. Wie auch die meisten nächsten Termine. Wir trafen uns einige Male vor der Geburt, sprachen über Wünsche, Ängste und den Verlauf der Schwangerschaft. Sie wusste zu allem einen Rat und gab mir ein gutes Gefühl. Sie machte die Rufbereitschaft alleine. 2013 kostete dies dann 400 Euro. Und meine Krankenkasse übernahm sogar einen Anteil von 250 Euro. Ich hätte es auch so bezahlt. Dafür konnte ich auch Mira 24/7 anrufen.

Was ich dann auch an einem Sonntag tat. Abends gegen halb 7. Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, aber sie freute sich. Sagte, sie sei ausgeruht. Und so kam sie nach 20 Min. zu uns, schaute nach mir, fragte, wie es mir geht, wie ich mich fühle, was ich brauch, was ich möchte. Sie stellte mir vollkommen frei, ob sie bei mir bleiben sollte, bis die Wehen noch stärker werden oder ob ich lieber mit Michael alleine sein möchte. Ich schichte sie noch mal nach Hause und Michael rief sie später wieder an. Sie war nach 15 Min. wieder da, schaute nach mir, sagte, dass sie jetzt da bleibt, sich im Wohnzimmer aufhält, während wir im Schlafzimmer waren und ich sie rufen kann, wenn ich sie brauche bzw. denke, dass ich ins Krankenhaus möchte. So verbrachten wir noch einige Zeit zuhause, bei besonders heftigen Wehen kam sie noch mal schauen und irgendwann schlug sie aufgrund der Abstände vor, ins Krankenhaus zu fahren. Dort hatte sie schon alles geregelt, der Kreisssaal war vorbereitet, Ärzte informiert. Kein Checkin notwendig wie auch schon bei der ersten Geburt. Denn die ganzen Formalitäten werden einem auch abgenommen bzw. schon vorher von Ihr geregelt. Dann kommt der unangenehme Part, denn dann wird man ans CTG angeschlossen. Ansich nichts schlimmes, aber es schränkt den Bewegungsfreiraum schon ein. Und anschliessend muss man zum Arzt. Der macht dann noch mal Ultraschall. Auch nicht wahnsinnig schlimm, aber unter heftigen Wehen still auf ’ner Liege liegen ist nicht schön. Na gut, aber ich wollt ja ins Krankenhaus.  In den Momenten war ich bei beiden Geburten froh, dass ich meine Hebamme als Bezugsperson hatte. Klar war mein Mann da, aber der ist da auch kein Fachmann. Und von den Ärzten hab ich noch nicht mal mehr ’nen Namen oder ein Gesicht in Erinnerung.

Mira war immer präsent. Sie verliess den Raum nur für Papierkram (muss ja alles schön ordentlich dokumentiert werden, so ne Geburt). Aber ansonsten war sie da. Hat mich bestärkt als ich selbst schon kurz vorm Aufgeben war, dass ich es alleine schaffe, dass ich keine PDA brauche. Mir Mut gemacht. Und dadurch die Geburt zu einem wirklich tollen Erlebnis gemacht.

Im Krankenhaus muss auch ein Arzt während der Geburt anwesend sein. Also musste, als es plötzlich doch noch schneller ging als vermutet, noch schnell die Assistenzärztin geweckt werden, da der gerufene Oberarzt noch nicht da war. Er traf dann 20 Min. zu spät ein.

Ich wollte eine Nacht bleiben, um mich auszuruhen, aber erholsam war es nicht. Bei meiner ersten Geburt war ich unsicher. Ich war froh, auf der Station alles zu lernen, was man so über Babys wissen muss. Meine Hebamme hätte mir das aber auch alles gesagt. Beim 2. Kind weiss man ja schon Grundlegendes und ich empfand die Zeit im Krankenhaus dann mehr belastend als erholsam. Ich konnte nicht schlafen in der ungewohnten Umgebung, war noch so aufgeputscht von der Geburt, ständig kam wer gucken, ob alles ok ist, ob ich was brauche, auch nachts. Schnell man Füsse hoch, es muss geputzt werden. Frühstücksbuffet, nette Idee, aber wo stell ich denn am besten das Neugeborene samt Bettchen hin, wenn schon 3 andere Frauen im Raum sind. Welches Kind fängt grad an zu schreien?

Zuhause angekommen, telefonierte ich mit meiner Hebamme. Diese kam noch am gleichen Tag, wie auch alle folgenden Tage. Sonntage. Feiertage. Egal. Sie schaute nach dem Baby, massierte mir den Bauch, hörte sich meine Sorgen an, half bei Stillproblem. So ein Hebammenbesuch dauerte immer eine Stunde. Wenn Michael da war, wurde er ebenfalls gefragt, wie es ihm geht.

Es fühlte sich alles richtig an und sie bestärkte das Gefühl. Nach dieser Geburt und der Vor- und Nachsorge hätte ich mir sogar vorstellen können, mit ihr ein Kind zuhause zu bekommen. Sie hat mich gestärkt. In allem.

Ich würde sie gerne jedem empfehlen, der mich danach fragt. Ich hoffe, sie wird ihren Beruf nicht aufgeben müssen.

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