Hallo, Welt. Hallo, Krankenhaus?

Was passt besser zum Thema „Erster Blog Post“ als ein Artikel zum wirklich ersten „Hello, World“ eines Menschen, der Geburt?

Ich war bei beiden Geburten unserer Kinder dabei und bin sehr froh, diese Erlebnisse mit meiner Frau geteilt zu haben.

In beiden Fällen hat Christina unsere Beleghebammen ausgesucht. Bei der Geburt unseres ersten Sohnes haben uns zwei Hebammen abwechselnd, bei der Geburt unseres zweiten Sohnes eine begleitet.

Beim ersten Kind steht man als werdende Eltern vor ungeheuer vielen Fragen. Einige dieser Fragen können im Vorfeld in einem Geburtsvorbereitungskurs geklärt werden, einige Klärungsversuche mit Freunden, Bekannten, Büchern oder anderen Mitteln werfen oftmals neue Fragen auf.

Letzten Endes ist es dann aber irgendwann soweit, die Wehen setzen hoffentlich ein und die Geburt beginnt.

Bei uns damals 2009 ganz klassisch spät abends bzw. in der Nacht. Alleine – und da schon müde – mit dem Auto ins Krankenhaus und da geht es schon los. Ich war da schon so nervös, dass ich nicht die Spur einer Erinnerung daran habe, wie wir das mit dem Formalitäten geregelt haben.

Man ist unsicher und wünscht sich eine Begleitung. Jemand, der nicht nur weiß, was er tut, sondern dafür auch Zeit hat und gleichzeitig die Zeit, Stärke und Intuition hat, zu Erkennen, was die werdende Mutter braucht und nicht ein Schema x abarbeitet.

Während der ersten Geburt hat es – für mich als Mann – rückblickend so lala funktioniert. Da wir doch ziemlich unsicher waren, haben wir bzw. Christina nicht so sehr auf unseren Bauch gehört, wie wir das wohl hätten tun sollen. Wenn frau sich zum Beispiel nicht in der Badewanne wohl fühlt, warum darauf bestehen, es weiter zu „probieren“? Ich schätze, das ist wie mit Fahrradsätteln: Wenn man merkt, es klappt nicht, dann ist es so und man sollte es nicht erzwingen, es wird nicht besser werden.

Nach viel Hantier und vielen Stunden war Anton dann da… Und wir am Ende. Und sehr froh, dass unsere Hebamme Susanne da war.

Über sie waren wir auch in den nächsten Wochen mehr als froh, wenn sie uns mit Rat und Tat zur Seite stand.

Im Nachhinein haben wir es als Fehler empfunden, „lange“ im Krankenhaus zu bleiben… Was haben die 4 Nächte eigentlich gebracht?

Dies und einige andere Sachen haben wir 2013 bei Oskar nicht mehr so gemacht und sind nach einer Nacht nach Hause gefahren.

Die ganze Geburt fing aber schon anders an. Susanne war in der Zwischenzeit selber Mutter geworden und wir hatten mit Mira eine neue Hebamme. Ich fand‘ es großartig, dass sie, als sich die Wehen definitiv ankündigten, bei uns geblieben ist. So konnten wir die Zeit mehr oder weniger entspannt zu Hause verbringen, bis es dann Zeit wurde, ins Krankenhaus aufzubrechen, da wir keine Hausgeburt wollten.

Wir sind zusammen ins Krankenhaus gefahren, hatten die ganze Zeit Begleitung und ich bin nach wie vor erstaunt über die Präsenz dieses Menschen. Ich habe sicherlich am wenigstens bei der Geburt gemacht, aber bei dem, was ich machen konnte, habe ich mich gut gefühlt und konnte weitaus mehr teilnehmen als bei der ersten Geburt.

Man hat sich geführt, begleitet und geleitet gefühlt… Einfach sicher.

Ich wünsche allen werdenden Eltern, dass sie eine Geburt so erleben können.

Warum das ganze Gerede? Schon 2009 und 2013 bekamen wir mit, dass der Arbeitsmarkt für Hebammen nicht rosig aussieht. Nicht, weil sie nicht gebraucht werden würden, sondern weil es ihnen durch exorbitant hohe Versicherungsbeiträge bei moderatem Gehalt was unmöglich gemacht wird, wirtschaftlich freiberuflich zu arbeiten.

Nun wird wohl zum 1. Juli 2015 eine der letzten großen Versicherungen aus dem Versicherungskonsortien für Hebammen aussteigen und der Versicherungsmarkt für diese Berufsgruppe wird zusammen brechen.

Was ist die Alternative? Jede Geburt wie ein medizinisches Ereignis stationär behandeln? Gar nicht erst abwarten, bis eine natürliche Geburt passiert? Als Mann habe ich hier das Gefühl, dass den werdenden Müttern ein großes Maß an Selbstbestimmung genommen wird. Ich finde unsere medizinische Versorgung in Deutschland in weiten Teilen einfach großartig, aber per-se aus einem natürlichen Ereignis eine „Krankheit“ zu generieren ist schlichtweg falsch. Wir haben uns alleine durch den kurzen Krankenhausaufenthalt von nur einer Nacht bei der zweiten Geburt soviel besser gefühlt… Und trotzdem Fragen wie „Oh, warum seit ihr denn schon wieder zu Hause und auf der Straße?“ beantworten müssen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, natürlich sollen den werdenden Eltern Ärztinnen und Krankenschwestern zur Seite stehen, falls eine Geburt zu Problemen führen könnte, aber wir finden, es sollte nicht der Standard sein.

Für mich ist es leider ein Symptom für die verfehlte Familienpolitik in diesem Lande. Es wird mit kleinen, finanziellen Zuschüssen und Umverteilungen versucht, den Anreiz Kinder in diese Welt zu setzen, zu erhöhen, aber eine Absicherung für Familien von der Geburt an durch kompetente Menschen fehlt und wird auch nicht gefördert.

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