Gedankenwelten

Die Tage stolperte ich – ich glaube, über einen EinesTages Artikel – noch mal über ALF. Ihr wisst schon, diese Serie mit dem Außerirdischen, der ständig die Katze der Familie Tanner fressen wollte und die fast jeder heutige Mittdreißiger gesehen hat.

Kurz überlegt: Die Serie war albern, lustig, es wurde nicht gekämpft und das  Tempo war angemessen für Kinder. Obendrein war die DVD Box (Wir ziehen DVDs dem TV vor. Hier haben wir die Menge, die Sendezeit und Dauer in der Hand und werden nicht durch ein Programm fremdbestimmt) nicht allzu teuer. Gekauft, bestellt und gestern Abend die Pilotfolge mit dem Großen geschaut.

Ich so: Spaß gehabt. Mehr als erwartet. Weit mehr als z.B. mit Nils Holgerson und sehr viel mehr als mit Wickie und die starken Männer.

Der Nachwuchs so: Hat sich prächtig amüsiert, laut und herzlich gelacht.

Abends dann beim Zähneputzen: „Du Papa, warum ist der Planet vom ALF explodiert? Sind da ganz viele Vulkane ausgebrochen? Oder gab es Krieg?“ Da war ich dann erst mal wieder von den Socken. Wir haben dann ein paar Möglichkeiten durchgesprochen, was denn passiert sein könnte und dass es aller Voraussicht nach nicht in dieser Nacht auch mit unserem Planeten passiert, dann ging es wieder.

Worauf ich hinaus will: Das, was Kinder sehen, hören und mitbekommen, ist sehr vielfältig. Auch wenn Dinge nach Außen lustig sind, können kleine Nuance die jungen Menschen sehr tief beschäftigen. Die Gedankenwelten die sie haben, sind sehr oft komplexer, als man vermutet. In den letzten Jahren habe ich mehrfach feststellen müssen, dass wir als Erwachsene vorsichtig und verantwortlich damit umgehen müssen, was wir Kindern zumuten und was nicht.

Nicht alles, was wir gut und „cool“ finden, ist passend, auch wenn die Kinder es – zum Beispiel – noch so cool finden würden, mit uns Star Wars zu schauen.

5 thoughts on “Gedankenwelten

  1. Martin

    Oh ja, das mit den Rückfragen kenne ich – teilweise sogar noch Wochen später aus heiterem Himmel.
    Uns ist dabei aufgefallen, dass Fernsehen (selbst die Geschichten aus der Sendung mit der Maus, die bei uns praktisch das einzige Kinder-TV ist), aber auch Hörspiele viel mehr offene Fragen aufwerfen als Bücher.
    Ich finde es erstaunlich, wie gelassen die Kinder damit umgehen, wenn eine Erklärung die heile Kinderwelt verlässt und es um Verletzungen, Tod und andere Dramen geht. Dann hören wir vielleicht noch eine sachliche Verständnisfrage oder ein Beispiel aus der Vorstellung unserer Kinder, aber praktisch nie Entsetzen. Kennt Ihr das auch?

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    1. Michael Post author

      Ja, relativ häufig ist das so. Anton fragt nach, freut sich imho über sachliche und offene Antworten und dann ist gut. Aber wir merken, dass es ihn beschäftigt.
      Wenn sich bei ihm Entsetzen äußert, dann meistens in Träumen.

      Hörspiele ist ein schönes Beispiel: Wir hatten (bzw. wir habend immer noch) ein „Drache Kokosnuss“ Hörspiel mit Geistern. Das ist schrecklich (mich nervt es wegen der Stimmen ungemein) und für Anton ist es zu gruselig, das nimmt er immer mit in den Schlaf. Aber das kannste ja auch nicht erklären, jedenfalls nicht sinnvoll „Das gibt’s nicht“ scheint zu wenig zu sein.

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  2. Lea

    Ich finde es interessant, dass du gerade über ALF schreibst. Meine Schwester hatte damals natürlich auch alle Hörspiele und besonders die Pilotfolge von ALF hat mir damals sehr große Angst gemacht, obwohl es ja sogar „nur“ das Hörspiel war. Wir hatten damals zudem immer die Möglichkeit ohne Aufsicht fern zu sehen (außer abends, wenn’s ins Bett ging) und ich erinnere mich noch gut, dass ich da einiges gesehen habe, wofür ich sicher noch zu jung war, auch wenn es in meinen Erwachsenenaugen selten wirklich „schlimme“ Filme/Serien waren. Gerade was so in diese paranormale Ebene (Aliens oder Geister, wie du schon schriebst) abdriftet, finde ich immer schwierig bei Kindern, weil man es eben nicht so einfach erklären kann.

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  3. Uschi

    Wohl wahr. Als ich meiner kleinen Nichte im Alter von 8 mit „Findet Nemo“ eine Freude machen wollte, war sie hinterher fix und fertig. Warum? Mutter tot, vom Vater getrennt und allein in der Fremde! Da hatte ich in wohlmeinendster Absicht was Schlimmes angerichtet…

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