Kindergedanken

„Du, von einem Mädchen in meiner Klasse sind 2 Cousinen gestorben.“ sagt der 3.Klässler, der morgens zusammen mit dem Großen und anderen Kindern zur Schule geht. Ich schaue ihn verdutzt an. Denn haarsträubende Geschichten erzählen sich die Kinder morgens schonmal des öfteren. Eines hat eine riesige Phantasie, die sich manchmal stark mit der Wirklichkeit vermischt. Aber dieser Junge hat mir bisher noch keinen Quatsch erzählt. „Ertrunken, oder so“. Ergänzt er seine Aussage. „Ich glaube, das waren Flüchtlinge.“ Ich bestätige, dass Boote untergegangen sind und dass dabei auch Menschen ertrunken sind. Er erzählt weiter: „Gestern habe ich im Fernsehen gesehen, dass die auch mit dem Zug flüchten. Und dann gibt es Länder, da kommen die nicht mehr weiter. Ich weiss gar nicht warum. Und dann gibt es Menschen, die wollen, dass die wieder zurück gehen.“ Ein Erstklässler aus der Gruppe mischt sich ins Gespräch: „Da ist Krieg, da sollen die, die das wollen mal selber hingehen und gucken.“ Die Kinder unterhalten sich weiter, ich mische mich nicht ein. Sie philosophieren darüber warum Krieg nicht nur in der Luft geführt wird, dann bräuchten die Menschen auf dem Boden keine Angst haben und flüchten.

Ein Kind beteiligt sich nicht am Gespräch, sondern läuft etwas versetzt hinterher. Plötzlich sagt es: „Ich habe jetzt 65 Kaugummis auf dem Boden gezählt. Weiter kann ich noch nicht.

Warum machen Menschen das?“

Und ich habe an diesem Morgen keine Antworten auf die Fragen der Kinder, bin jedoch zutiefst beeindruckt, wie sehr sie versuchen, die Welt und die Menschen zu verstehen.

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